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Im Gespräch: Wie Elektroauto Hersteller von ERP, MES & Co. profitieren

27.04.2022 - ERP, MES, Künstliche Intelligenz, Technologie

Quelle: iStock.com/Blue Planet Studio
Quelle: iStock.com/Blue Planet Studio

Die Transformation hin zu emissionsfreien Antrieben ist alternativlos. Längst im Vormarsch ist vor allem die Elektromobilität. Studien belegen, dass ausnahmslos alle OEMs planen, ihr Portfolio an elektrifizierten Modellen zu erweitern. Gleichzeitig verändern sich etablierte Produktionsstrukturen und mit ihnen die unterstützenden IT-Systeme. Bereits seit einigen Jahren ist Software der PSI Automotive & Industry bei Elektroautoherstellern im Einsatz. Was diese Lösung im Kontext der Verkehrswende auszeichnet, darüber haben wir mit unserem Beratungsleiter der Division Automotive, Tim Kröger, gesprochen.

Herr Kröger, in einem E-Auto steckt natürlich weder ein Verbrennungsmotor noch ein Abgassystem. Eine ganze Reihe von Teilen oder Modulen muss also ersetzt und die Produktionsabläufe entsprechend angepasst werden. Doch in den Werkhallen tut sich weitaus mehr. U. a. verschwinden Schritt für Schritt die bekannten Fließbandsysteme.

Warum verschwindet das bekannte Fließbandsystem allmählich und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung auf die Automobilbranche?

Grund für diese Entwicklung sind die physischen Restriktionen der starren Fließbänder, die dem heutigen Variantenreichtum in der Serienfertigung nicht mehr gerecht werden. Sie müssen sich vorstellen, dass kaum ein Auto dem anderen gleicht, wenn es die Werkhalle verlässt. Jedes Fahrzeug ist in seiner Ausprägung nahezu einzigartig. Dieser Trend hat schon vor vielen Jahren begonnen – ganz unabhängig von der Antriebstechnologie. Zunächst haben sich die Hersteller hierauf mit Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Prozessen eingestellt. Aber auch diese Systeme stoßen an ihre Grenzen. So sind bei den ersten Herstellern an die Stelle von Fließbändern fahrerlose Systeme getreten, welche die Fahrzeuge in einer optimierten Taktung von Arbeitsstation zu Arbeitsstation transportieren. Die Steuerung erfolgt auf Basis von BPMN-Workflows, durch die auf Änderungen im Produktionsfluss unmittelbar reagiert werden kann. Das heißt, statt starrer und sehr aufwendiger Programmanpassungen ändern die Hersteller einfach die Workflows zur Laufzeit.

Jedes Fahrzeug ist in seiner Ausprägung nahezu einzigartig – ganz unabhängig von der Antriebstechnologie. Tim Kröger, Beratungsleiter der Division Automotive

Das Verschwinden der Fließbänder hat also noch im Zeitalter der „Verbrenner“ begonnen. Warum sind diese neuen Produktionsszenarien denn gerade auch für die E-Mobilherstellung von so großer Relevanz?

Genauso ist es. Diese Entwicklung ist nicht neu, aber so aktuell wie nie. So mussten im Kontext der Lieferkettenkrise viele Industrien schmerzlich erfahren, wie wichtig es ist, schnell und radikal Prozesse und Strukturen anpassen zu können. Genau dies erfüllen die beschriebenen neuen Produktionssysteme. In der Automobilbranche überschneiden sich aber eben mehrere Themen, wodurch der Anpassungsdruck besonders hoch ist: So haben wir einerseits die immer individuelleren Wünsche der Kunden und andererseits sowohl Lieferkettenprobleme als auch die Herausforderung, schnellstmöglich auf die neuen Antriebstechnologien umrüsten zu müssen.

Sie erwähnten bereits, dass die Steuerung der Transportsysteme über BPMN-Workflows erfolgt und eine große Flexibilität ermöglicht. Welchen Vorteil bietet denn die Workflow basierte ERP-Lösung PSIpenta speziell für Elektroautohersteller?

Die Systeme der PSI haben den entscheidenden Wettbewerbsvorteil, dass sie die gesamte Wertschöpfungskette und die unterschiedlichen Planungs- und Ausführungsebenen abbilden. Insofern geht es hier nicht allein um ein ERP-System, sondern um die ganzheitliche Unterstützung und enge Vernetzung aller Prozesse – angefangen bei der Produktionsplanung über die Produktionsdurchsetzung bis hin zur Ergebniskontrolle. Dabei kommt also sowohl unsere branchenspezifische ERP-MES-Lösung PSIpenta als auch integrierte Logistik-Module, KI-Methoden und weitere PSI-Lösungsbausteine zum Tragen.

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Können Sie ein paar Beispiele skizzieren, die diesen ganzheitlichen Ansatz verdeutlichen?

Ich denke da z. B. an die individuelle Unterstützung der Werker. Sie erledigen zukünftig nicht einfach ihre Arbeitsgänge, sondern werden durch unsere Software und ein spezielles Cockpit bildunterstützt durch jeden Arbeitsschritt geführt. Das heißt, zusätzlich zu einer schriftlichen Anleitung werden für bestimmte Abläufe auch aussagekräftige Bilder angefügt. Sogar Hardware lässt sich gezielt integrieren, z. B. die Steuerung von EC- Schraubern mit dem jeweils passenden Drehmoment. Für die Leitzentrale werden wiederum die komplexen Fertigungen mittels eines modernen SCADA-Systems visualisiert. Fehlerzustände und Verschlechterungen von Zuständen aktiver Produktionssysteme lassen sich so unmittelbar und vorausschauend erkennen. Und zu guter Letzt können in das PSI-System KI-Methoden integriert werden, die eine Planung mit unzähligen Zielkriterien ermöglichen. Denn die Anzahl der Entscheidungskriterien zur Bildung optimierter Reihenfolgen in der Fertigung wird in Zukunft weiter steigen. Brandaktuell sind beispielsweise Energiekosten. Da können klassische Berechnungsmethoden nicht mehr mithalten.

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Zum Abschluss erlauben Sie uns noch eine visionäre und ein bisschen persönliche Frage. Wenn sie es sich nach Lust und Laune aussuchen könnten: Wie wird Ihr Auto 2035 aussehen?

In der Zukunft fahre ich ein hundert Prozent alternativ angetriebenes Auto, das ich dank dichter und normierter Ladeinfrastruktur nahezu weltweit problemlos laden kann. Eine Ladung geht dabei superschnell und reicht von Berlin bis nach München. In der Batterie wurden weder seltene Erden noch andere schädliche Stoffe verbaut. Und wenn das Auto irgendwann mal seine Dienste getan hat, kann ich mich darauf verlassen, dass Demontage, Entsorgung und Wiederverwendung der eingesetzten Materialien und Bauteile selbstverständlich Teil des nachhaltigen Gesamtkonzepts sind. Für Urlaubsreisen mit meiner Familie buche ich gezielt Kartenupdates für die Navigation und ein Entertainmentsystem dazu. Auf der Autobahn schalte ich dann regelmäßig in vollautonomes Fahren um.

Das klingt wirklich gut!

Vielen Dank für diese spannenden Einblicke und Ihre Zeit.

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Tim Kröger, Beratungsleiter der Division Automotive

Tim Kröger ist Beratungsleiter der Division Automotive. Nach seinem Start im Marketing 1997 und verschiedenen Stationen in der Beratung und Projektleitung, im Produktmanagement sowie in der Applikationsentwicklung kennt er sowohl unsere Kunden als auch die PSI wie seine eigene Westentasche. Mit seiner Expertise im Management Consulting und in der Prozessdigitalisierung hat er bereits zahlreiche Unternehmen bei der Optimierung Ihrer Geschäftsprozesse begleitet. Veränderungen begreift er dabei stets als Bereicherung. So behält er auch Trends immer im Blick und schätzt vorhandene Handlungsspielräume, um neue Ideen umsetzen zu können.

Jasmin Erfurt, PSI Automotive & Industry GmbH

Jasmin Erfurt

Redaktion PSI Automotive & Industry

Jasmin Erfurt weiß, am Ende sind die besten Geschichten immer die, die in Erinnerung bleiben. Das gilt für die Online-Welt ebenso wie in Social Media, Print, Film, Foto oder Radio. Aus allen diesen Bereichen bringt die studierte Medienwissenschaftlerin Erfahrungen und vielfältiges Know-how mit. Und weil ihr Herz auch für intelligente Software, neue Technologien und Autos schlägt, ist sie einfach ein Perfect Match für unser Marketing-Team.

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